Ein amerikanischer Irrgast an der Ostsee

Seit etwa einem Monat hält sich dieser kleine Vogel in der Kieler Bucht auf: Er ist wenig größer als ein Star, unscheinbar grau gefärbt und sieht aus wie einer der vielen Steine direkt an der Uferpromenade des Ostufers. Deswegen wird er von den Menschenmengen, die tagtäglich an ihm vorbejoggen, walken, radeln oder flanieren auch nicht gesehen und wahrgenommen. Sie werden nur auf ihn aufmerksam, wenn teure Teleobjektive auf ihn gerichtet sind und fragen oft interessiert nach: Es ist ein Drosseluferläufer, ein amerikanischer Watvogel, der bisher erst nur etwa 5 Mal in Deutschland beobachtet wurde. Bis in die Zeitung hat er es geschafft. Heute hatte ich Zeit, ihn zu beobachten. Es ist ein vertrauter Vogel, wenig scheu, und in dem anfangs noch guten Licht lies sich eine kleine Lebensgeschichte an dem Vogel ablesen: Die Schlichtkleidfedern, die im Herbst des Vorjahres angelegt wurden, sind bräunlich, abgetragen und etwas ausgefranst. Sie werden gerade jetzt, in dieser Zeit, durch die neuen und graueren Prachtkleidfedern ersetzt, die eine dezente dunkle Zeichnung aufweisen. Und auch die namensgebenden "Drosselflecken" auf der Unterseite, die nur im Prachtkleid vorhanden sind, zeigen sich jetzt ansatzweise. Sie wirken noch ein klein wenig wie Maserflecken. Ein kleiner Vogel, der es vermutlich im vergangenen Herbst aus irgendeinem Grund über den Atlantik zu uns geschafft hat. Für ihn würde auch in seinen eigentlichen Überwinterungsgebieten in Zentral - und Südamerika die wanderung nach Nordamerika beginnen. Und so kann es sein, dass dieser Vogel schon bald aus der Kieler Förde wieder verschwunden ist und die wunderbar gefleckte Unterseite hier nicht mehr zu sehen sein wird. Ein wunderbarer Vormittag mit einem seltenen Vogel auf Tuchfühlung!Drosseluferla-ufer3

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